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Nachruf Theophil Antonicek

 

Am Karsamstag, dem 19. April 2014, ist tit. ao. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Theophil Antonicek im 77. Lebensjahr im Wiener Wilhelminenspital an den Folgen eines Sturzes gestorben. Mit ihm verlieren das Institut für Musikwissenschaft und die gesamte österreichische Musikforschung einen Forscher, Lehrer und Menschen von hohem Rang.

Theophil Antonicek war dem Institut von den Tagen seines eigenen Studiums her verbunden. Am 22. November 1937 in Wien geboren, hat er an der dortigen Universität Musikwissenschaft, u. a. bei Erich Schenk, studiert. 1962 wurde er mit einer beinahe tausend Seiten starken Dissertation mit dem Titel Ignaz von Mosel (1772 – 1844). Biographie und Beziehungen zu den Zeitgenossen promoviert. Damit wurden gleich mehrere seiner akademischen Interessen deutlich: die Leidenschaft für die Wiener Musikgeschichte, der Schwerpunkt in einer quellenorientierten Archivarbeit, die Neugierde nicht nur auf Haupt-, sondern auch auf scheinbare Nebenfiguren des Musiklebens, die, wie der scheinbar „biedermeierliche“ Komponist, Musikschriftsteller und Dirigent Ignaz Edler von Mosel, sich oft genug als entscheidende Akteure des Wiener Musiklebens herausstellten. Diese Offenheit gegenüber den Ansätzen einer musikalischen Sozialgeschichte, lange bevor diese in Mode kam, zeichnete Antonicek aus und schlug sich auch in seinem Engagement für den „Gedächtnisort“ des St. Marxer Friedhofs, die Grabstätte vieler Musiker, nieder. 1978 habilitierte er sich mit Studien zum Wiener Musikleben in der Zeit der Klassik und des Biedermeier. Daneben galten seine Forschungen vor allem der Musik des habsburgischen Barock, insbesondere der italienischen Oper, und Anton Bruckner, nicht zuletzt aber auch der Geschichte der Musikkritik und Musikwissenschaft in Wien.

Von 1963 bis 1999 war Antonicek bei der Kommission für Musikforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig, 1984 wurde er zum korrespondierenden, 1995 zum wirklichen Mitglied gewählt. Ebenso langjährig war er der von Guido Adler begründeten Gesellschaft zur Herausgabe von Denkmälern der Tonkunst in Österreich verpflichtet, zuletzt als der Leiter der Publikationen. Antonicek war auch Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Musikwissenschaft (1973), ab 1984 deren Vizepräsident, 1990–1996 deren Präsident. All diese Jahre unterrichtete Theophil Antonicek – von Aufenthalten in Cremona und Göttingen abgesehen – an unserem Institut. Zu seinem 60. und seinem 70. Geburtstag wurde er von seinen Kolleginnen, Kollegen, Schülerinnen und Schülern mit Festschriften geehrt.

Das Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien trauert nicht nur um einen Lehrer, der sich um Generationen von Studierenden verdient gemacht hat, sondern um einen Menschen von entwaffnender, heiterer Herzlichkeit und einer seine enzyklopädischen Kenntnisse der Wiener Musikgeschichte verbergenden Bescheidenheit, der bis zuletzt gewissenhaft seinen Pflichten als Betreuer von Abschlussarbeiten nachgekommen ist und noch in den Gebrechen des Alters niemals um einen Scherz verlegen war.

Wolfgang Fuhrmann

 

Die Beerdigung findet am Montag, 5. Mai um 14.00 Uhr im Friedhof Maria Enzersdorf statt.

Am Mittwoch, 7. Mai um 18.30 Uhr wird in der Kirche St. Thekla (Wien IV) eine Auferstehungsmesse für den Verstorbenen gefeiert.

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