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Wolfgang Fuhrmann und Birgit Lodes (Wien)

 

The Meaning of Musical Meaning. Semantik und Semiotik in der Musik
Kann Musik erzählen?

(Ringvorlesung Musik Kultur Wissenschaft II am Mittwoch, den 14. März 2012)

 

Die Frage danach, ob Musik etwas „bedeuten” oder von etwas „erzählen“ kann, das über rein form-interne Bezüge oder Verläufe hinausgeht, steht im Zentrum des heutigen Abends. Die Entscheidung darüber bedeutet auch gleichzeitig eine Entscheidung über die Möglichkeiten der Musikwissenschaft, mit anderen kulturwissenschaftlichen oder auch den historischen Disziplinen ins Gespräch zu kommen.

Der Vortrag von Wolfgang Fuhrmann widmet sich der Frage einer (außermusikalischen) Bedeutung oder Semantik von Musik vor dem Hintergrund der allgemeinen Lehre vom Zeichen und den Zeichenbeziehungen, der Semiotik, für deren Theorietradition Namen wie Ferdinand de Saussure, Charles Sanders Peirce, Umberto Eco oder Roland Barthes stehen. Spätestens seit den 1970er-Jahren werden Möglichkeiten und Grenzen einer musikalischen Semiotik und Semantik intensiv auch in der Musikwissenschaft diskutiert. Zu dieser Diskussion möchte der Vortrag beitragen, indem er – in Anknüpfung vor allem an die von Christian Kaden skizzierte Idee einer musikalischen Prozess-Semiotik – drei Ebenen einer musikalischen Semiotik unterscheidet: 1. die Frage nach einer Zeichenhaftigkeit „des“ Musikalischen (an welchen Zeichen unterscheiden wir Musik von anderen Phänomenen?); 2. die Frage nach einer musikalischen Semiotik (entwickelt Musik besondere Zeichenklassen?); 3. die Frage nach einer historischen Semantik der Musik (was bedeuten konkrete musikalische Praktiken in ihrem soziokulturellen Kontext?).

Birgit Lodes konzentriert sich darauf, inwiefern die seit dem „narrative turn“ nicht nur in den Literaturwissenschaften beliebten „narratologischen“ Ansätze auch in der Musikwissenschaft Spuren hinterlassen haben: Es werden einige der – sehr heterogenen – Arbeiten und Anknüpfungspunkte vorgestellt. Abschliessend wird kritisch die Frage nach den Perspektiven dieses Ansatzes für die Musikwissenschaft gestellt.

 

Mitschriften der Vorlesung (Hinterplattner, Springer)


 

Empfohlene Lektüre:

Christian Kaden, Art. „Zeichen“, MGG2 S9, vor allem Abschnitte I und II (Sp. 2149–2174).

Fred Everett Maus, Art. „Narratology/Narrativity“, in: NewNew Grove Dictionary of Music, S. 641–643 (auch online über den Datenbankservice der UB Wien)

 

Weitere Literatur:

Kofi Agawu, Music as Discourse: Semiotic Adventures in Romantic Music, Oxford 2009

Robert S. Hatten, Interpreting Musical Gestures, Topics, and Tropes: Mozart, Beethoven, Schubert, Bloomington 2004 (Musical Meaning and Interpretation)

Jaroslav Jiránek, Zu Grundfragen der musikalischen Semiotik, Berlin 1985

Raymond Monelle, Linguistics and Semiotics in Music, Chur 1992.

Matthias Schmidt (Hg.), Die Musiktheorie 1/2012; Thema: „Musik und Erzählen“, mit Beiträgen von Cornelia Bartsch, Katrin Eggers, Silvan Moosmüller, Nicole Rösch und Matthias Schmidt (im Druck).

Werner Wolf, „Erzählende Musik? Zum erzähltheoretischen Konzept der Narrativität und dessen Anwendbarkeit auf Instrumentalmusik“, in: Der Komponist als Erzähler. Narrativität in Dmitri Schostakowitschs Instrumentalmusik, hg. von Melanie Unseld und Stefan Weiss, Hildesheim u.a. 2008, S. 17–43.

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