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K. Ludwig Pfeiffer (Bremen)

Das Mediale und das Musikalische

Ringvorlesung Musik Kultur Wissenschaft II am Montag, den 18. Juni 2012)

 

 

Der Vortrag hebt einerseits die enorme Vielzahl heute medial zu nennender Elemente in der Musik hervor. Im Kontext neurobiologisch und affekttheoretisch ausgerichteter Ansätze argumentiert er andererseits, dass die enge Kopplung zwischen  den musikalischen Grundmaterialien (Töne, Melodien, Rhythmen) und dem (Vor-)Bewusstsein (‚Nervensystem‘) auch und vor allem auf eine Vergleichgültigung des Medialen hinausläuft. Musik – der Sammelbegriff für die vielfältigen Formen des Musikalischen – leistet vor allem die in allen anderen Lebensbereichen problematische und oft genug katastrophal ausgehende Verwandlung von privaten Gefühls- und Affektmengen in scheinbar kommunikable Emotionen. Es spielt dabei kaum eine Rolle, dass diese Leistung eine nur scheinbare ist, da sich die hörende Aufmerksamkeit bei aller (Omni)Präsenz medialer Technologien vornehmlich auf virtuose Techniken, also auf tendenziell sinnneutrale Performanz richtet.  

 

Mitschrift der Vorlesung

Webstream der Vorlesung (RealPlayer empfohlen)  

 

Literatur

Eckart Altenmüller, “Musik – die Sprache der Gefühle? Neurobiologische Grundlagen emotionaler Musikwahrnehmung“, in: Ralf Schnell (Hg.), Wahrnehmung – Kognition – Ästhetik. Neurobiologie und Medienwissenschaften, Bielefeld 2005, 139-155

Erich Auerbach, „Passio als Leidenschaft“, in: Gesammelte Aufsätze zur Romanischen Philologie, Bern und München, 1967, 161-175

Norbert Bolz, Theorie der neuen Medien, München 1990

Siglind Bruhn, Die musikalische Darstellung psychologischer Wirklichkeit in Alban Bergs Wozzek, Frankfurt am Main 1986

Nicolas Cook, Music, Imagination, and Culture, Oxford 1990

Antonio R. Damasio, Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins, München 2002

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René Girard, Shakespeare. Les feux de l’envie, Paris 1990

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Marcus Hahn, Erhard Schüttpelz, „Einleitung“, in: Dies. (Hg.), Trancemedien und Neue Medien um 1900, Bielefeld 2009, 7-13

Eduard Hanslick, Vom Musikalisch-Schönen. Ein Beitrag zur Revision der Ästhetik  der Tonkunst (1854), Nachdruck Darmstadt 1981

Jürgen Kesting, Die großen Sänger, Düsseldorf 1986

Jürgen Kesting, Die grossen Sänger des 20. Jahrhunderts, München 1993

Friedrich Kittler, Grammophon, Film, Typewriter, Berlin 1986

Lars Nyre, Fidelity Matters. Sound Media and Realism in the 20th Century, Bergen 2003

K. Ludwig Pfeiffer, The Protoliterary. Steps Toward an Anthropology of Culture, Stanford 2002

K. Ludwig Pfeiffer, „Ich lese, also bin ich (nicht)“, in: Ralf Schnell (Hg.), Wahrnehmung – Kognition – Ästhetik. Neurobiologie und Medienwissenschaften, Bielefeld 2005, 213-235

Aribert Reimann, Interview in DER SPIEGEL, 36(1992), 31.8.1992, S. 204

Albrecht Riethmüller, „‘Stoff  der Musik ist Klang und Körperbewegung‘“, in: Hans Ulrich Gumbrecht und K. Ludwig Pfeiffer (Hg.), Materialität der Kommunikation, 2. Aufl. Frankfurt am Main 1995, 51-62

Heinz Schlaffer, „Der  Umgang mit Literatur. Diesseits und jenseits der Lektüre“, Poetica, 31(1999), 1-25

Reinhard Schneider, Semiotik der Musik, München 1980

Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit. Politisch-psychologischer Versuch, Frankfurt am Main 2006

Anthony Storr, Music and the Mind, London 1992

Marc A. Weiner, Arthur Schnitzler and the Crisis of Musical Culture, Heidelberg 1986

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