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Newsletter Musikwissenschaft
Nummer 4, Mai 2014

 
 
 

Newletter Mai/Juni 2014

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe KollegInnen und FreundInnen des Musikwissenschaftlichen Instituts,

anbei erhalten Sie die aktuellen Meldungen rund um das Wiener Institut für Musikwissenschaft.

Ihr Newsletter-Team

 


 
 
  Nachruf Theophil Antonicek
 

tit. ao. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Theophil Antonicek (1937–2014)

 

Am Karsamstag, dem 19. April 2014, ist tit. ao. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Theophil Antonicek im 77. Lebensjahr im Wiener Wilhelminenspital an den Folgen eines Sturzes gestorben. Mit ihm verlieren das Institut für Musikwissenschaft und die gesamte österreichische Musikforschung einen Forscher, Lehrer und Menschen von hohem Rang.

Theophil Antonicek war dem Institut von den Tagen seines eigenen Studiums her verbunden. Am 22. November 1937 in Wien geboren, hat er an der dortigen Universität Musikwissenschaft, u. a. bei Erich Schenk, studiert. 1962 wurde er mit einer beinahe tausend Seiten starken Dissertation mit dem Titel Ignaz von Mosel (1772 – 1844). Biographie und Beziehungen zu den Zeitgenossen promoviert. Damit wurden gleich mehrere seiner akademischen Interessen deutlich: die Leidenschaft für die Wiener Musikgeschichte, der Schwerpunkt in einer quellenorientierten Archivarbeit, die Neugierde nicht nur auf Haupt-, sondern auch auf scheinbare Nebenfiguren des Musiklebens, die, wie der scheinbar „biedermeierliche“ Komponist, Musikschriftsteller und Dirigent Ignaz Edler von Mosel, sich oft genug als entscheidende Akteure des Wiener Musiklebens herausstellten. Diese Offenheit gegenüber den Ansätzen einer musikalischen Sozialgeschichte, lange bevor diese in Mode kam, zeichnete Antonicek aus und schlug sich auch in seinem Engagement für den „Gedächtnisort“ des St. Marxer Friedhofs, die Grabstätte vieler Musiker, nieder. 1978 habilitierte er sich mit Studien zum Wiener Musikleben in der Zeit der Klassik und des Biedermeier. Daneben galten seine Forschungen vor allem der Musik des habsburgischen Barock, insbesondere der italienischen Oper, und Anton Bruckner, nicht zuletzt aber auch der Geschichte der Musikkritik und Musikwissenschaft in Wien.

Von 1963 bis 1999 war Antonicek bei der Kommission für Musikforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig, 1984 wurde er zum korrespondierenden, 1995 zum wirklichen Mitglied gewählt. Ebenso langjährig war er der von Guido Adler begründeten Gesellschaft zur Herausgabe von Denkmälern der Tonkunst in Österreich verpflichtet, zuletzt als der Leiter der Publikationen. Antonicek war auch Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Musikwissenschaft (1973), ab 1984 deren Vizepräsident, 1990–1996 deren Präsident. All diese Jahre unterrichtete Theophil Antonicek – von Aufenthalten in Cremona und Göttingen abgesehen – an unserem Institut. Zu seinem 60. und seinem 70. Geburtstag wurde er von seinen Kolleginnen, Kollegen, Schülerinnen und Schülern mit Festschriften geehrt.

Das Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien trauert nicht nur um einen Lehrer, der sich um Generationen von Studierenden verdient gemacht hat, sondern um einen Menschen von entwaffnender, heiterer Herzlichkeit und einer seine enzyklopädischen Kenntnisse der Wiener Musikgeschichte verbergenden Bescheidenheit, der bis zuletzt gewissenhaft seinen Pflichten als Betreuer von Abschlussarbeiten nachgekommen ist und noch in den Gebrechen des Alters niemals um einen Scherz verlegen war.

Wolfgang Fuhrmann

 

Die Beerdigung findet am Montag, 5. Mai um 14.00 Uhr im Friedhof Maria Enzersdorf statt.

Am Mittwoch, 7. Mai um 18.30 Uhr wird in der Kirche St. Thekla (Wien IV) eine Auferstehungsmesse für den Verstorbenen gefeiert.

 


 
 
  Veranstaltungen
 

Folgende Veranstaltungen finden am Institut oder in Kooperation mit unserem Institut im Mai und Juni 2014 statt – wir laden herzlich dazu ein!

 

Vortrag „Intermediale Konstellationen: Musiknotate als Bildbestandteil in der Renaissance″. Prof. Dr. Klaus PIETSCHMANN (Universität Mainz) ist am Dienstag, 20. Mai 2014 um 19.00 Uhr im Hörsaal 1 des Instituts für Musikwissenschaft zu hören.

Arbeitstagung der Fachgruppe Musiksoziologie und Sozialgeschichte der Musik (Organisation in Kooperation des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien und der MDW). Vom 23. bis 25. Mai 2014 können Sie sich über aktuellen Diskussionen und Tendenzen auf diesem Forschungsgebiet informieren. Eine detaillierte Übersicht über das Programm einschließlich Veranstaltungsort und Vortragsabstracts sind hier abrufbar.

Vortrag "Philosophische Konstellationen zur Musik" von Jun.-Prof. PD Dr. Christian GRÜNY (Universität Witten-Herdecke) am Dienstag, 17. Juni 2014 um 19.00 Uhr im Hörsaal 1 des Instituts.

Wissenschaftsseminar MDW-MuWi-ÖGfMM. Unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Christoph REUTER (Uni Wien) und oa. Univ.-Prof. Matthias BERTSCH (MDW) findet jeweils Dienstags, 29. April, 20. Mai und 17. Juni 2014 von 18.00–20.45 Uhr im Seminarraum M0107 (1030 Wien, A.-v.-Webern-Pl. 1) das allmonatliche Wissenschaftsseminar statt. Unter den Vortragenden sind ForscherInnen und AbsolventInnen der Musikwissenschaft Wien, der MDW und Gastvortragende anderer Universitäten.
Link zum Vortragsprogramm

 
 
  Aktivitäten
 

Veranstaltungen unter Mitwirkung von Institutsangehörigen

 

Workshop „Notation as Mode of Thinking″. PD Dr. Wolfgang FUHRMANN (Universität Wien) und Prof. Dr. Katelijne SCHILTZ (Universität Regensburg) organisieren diese Veranstaltung, die am 29. und 30. Mai 2014 im Rahmen des Ricercar Séminaire musical am Centre d'Etudes Supérieures de la Renaissance der Université François-Rabelais de Tours stattfinden wird.

Konferenz „Eingeklebt, eingelegt, mitgeführt – vom Codex zum Künstlerbuch″Bei der Tagung an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, die am 12. bis 14. Juni 2014 von der Forschungsplattform Mobile Cultures and Societies – Interdisciplinary Studies on Transnational Formations der Universität Wien in Zusammenarbeit mit der HAB ausgerichtet wird, nimmt u.a. PD Mag. Dr. Wolfgang FUHRMANN teil.

Ausstellung im Liszt-Zentrum Raiding. Mag. Elisabeth REISINGER, BA und Martin CZERNIN wirkten zusammen als Kuratoren bei der Neugestaltung des Liszt-Museums in Liszts Geburtsort Raiding/Burgenland mit. Die Ausstellung widmet sich einerseits im Geburtshaus privaten Aspekten in Liszts Leben – seiner Familie und Kindheit, seinen Beziehungen zu Frauen, seiner Religiosität. Andererseits wird auf den neu einbezogenen Ausstellungsflächen im angrenzenden Konzertgebäude dem öffentlichen Star gehuldigt. Die Ausstellung FRANZ LISZT – Wunderkind°Weltstar°Abbé kann seit 28. März 2014 besucht werden und wird von einem Katalog begleitet. Weitere Informationen hier.

 
 
  Ausschreibung
 

Stipendium für MusikforscherInnen

 

Die International Balzan Foundation (Mailand und Zürich) unterstützt das Forschungsprogramm Towards a Global History of Music unter der Leitung von Reinhard Strohm, Balzan-Preisträger für Musikwissenschaft 2012. Es sind Visitorships für MusikwissenschaftlerInnen ausgeschrieben, die in den Bereichen globale Musikgeschichte und interkontinentale Musikbeziehungen forschen. Deadline für Bewerbungen: 23. Mai 2014, den Ausschreibungstext für das Stipendium finden Sie hier.

 
 
  Projektvorstellungen
 

Neue Projekte am Institut

 

August Wilhelm Ambros in Wien: Musikaufsätze und –rezensionen 1872-1876. Im Rahmen des Lise-Meitner-Programms (FWF) arbeitet Dr. Markéta ŠTĚDRONSKÁ an einer historisch-kritischen Ausgabe von Ambrosʼ Wiener Schriften. Das Editionsprojekt setzt sich zum Ziel, alle musikbezogenen Wiener Aufsätze und Rezensionen von August Wilhelm Ambros (1816–1876) in einer historisch-kritischen Ausgabe zugänglich zu machen. Es handelt sich um Beiträge, die Ambros nach seiner Übersiedlung von Prag nach Wien hauptsächlich für die Wiener Zeitung geschrieben hat. Sie spiegeln das Wiener Musikleben der 1870er Jahre wider und stellen eine Art Vollendung von Ambros’ lebenslanger musikkritischer, -ästhetischer und -historischer Arbeit dar. Die mit umfassenden Erläuterungen und einem Personen- und Werkregister versehene Ausgabe soll zum Pendant der entstehenden Edition von Marta Ottlová (Ambrosʼ Prager Musikaufsätze und -rezensionen) werden, darüberhinaus soll sie eine Grundlage für eine komplexe inhaltliche Auswertung der edierten Texte schaffen. Langfristig sind Studien über Ambros’ Musikkritik und -ästhetik in den 1870er Jahren geplant, u. a. über die Entwicklung der musikästhetischen Diskussion mit Eduard Hanslick, die 1855 mit Ambros’ polemischer Schrift Die Gränzen der Musik und Poesie eröffnet wurde.

Klang als dramatisches Ausdrucksmittel in den Opern Franz Schrekers. Das durch die ÖAW geförderte Dissertationsprojekt von MMag. Daniel TIEMEYER, BA, (DOC-Stipendiat) befasst sich mit der Frage nach der Bedeutung des Klangs in den Wiener Opern Franz Schrekers (1912-1920). Klang spielte für Schreker eine wesentliche Rolle für die Gestaltung und die interne Dramaturgie seiner Werke. Besonderheiten des Orchesterklangs bei Schreker sollen aus den Partituren ebenso herausgearbeitet wie deren zeitgenössische Verankerung in dem Bereich der Wiener Moderne deutlich gemacht werden. Die sinnliche Komponente des Klanges wurde von Schreker dezidiert als ein eigenständiger musikalischer Parameter behandelt, was den einzigartigen sensuellen Reiz seiner Werke ausmacht. Darüber hinaus stellt die Dissertation einen Beitrag zum Bereich der Klangforschung dar, bei dem durch die musikalische Analyse der Schreker’schen Opern Der ferne Klang, Das Spielwerk und die Prinzessin, Die Gezeichneten sowie Der Schatzgräber eine Erweiterung und Differenzierung des Terminus‘ „Klang“ intendiert ist.

 
 
  Impressum:
Institut für Musikwissenschaft
Universität Wien
Universitätscampus AAKH
Spitalgasse 2-4, Hof 9
1090 Wien
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