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Klang als dramatisches Ausdrucksmittel in den Opern Franz Schrekers

ÖAW DOC Stipendium FA 442002
Projektlaufzeit: 2014 - 2016

Leitung: Univ. Prof. Dr. Birgit Lodes
Mitarbeiter: MMag. Daniel Tiemeyer, BA



Franz Schreker (1878–1934) avancierte nach dem großen Erfolg der Uraufführung seiner ersten Oper Der ferne Klang, die am 18. August 1912 in Frankfurt a. M. stattfand, zu einem der meistgespielten Opernkomponisten seiner Zeit im deutschsprachigen Raum. Zugleich mit dem Erfolg entbrannte ein heftiger Richtungsstreit in der Tagespresse. Während Schreker bisweilen heftig von der liberalen und konservativen Presse (Julius Korngold in Wien und Adolf Weißmann in Berlin) kritisiert wurde, trat vor allem Paul Bekker sehr vehement für ihn ein. In seiner Studie zur Kritik der modernen Oper kündigte er Schreker mit seiner Begabung sogar als möglichen Nachfolger Richard Wagners an.
    Bei allen Rezensionen wurde verstärkt auf die Eigentümlichkeiten des „Klangs“ in Schrekers Opern hingewiesen. Die Zeitgenossen spürten hier ein neues Verhältnis zu dem musikalischen Parameter, der aufgrund seiner sensuellen Ausprägung in den musikästhetischen Debatten eher pejorativ verwendet wurde. Die vier in Wien komponierten Opern weisen ebenfalls eine deutliche Affinität zum „Klang“ auf, so dass diese den Untersuchungsgegenstand der Klanganalyse des Projektes bilden. Es handelt sich dabei – neben Der ferne Klang – um folgende Opern: Das Spielwerk und die Prinzessin (UA 1913), Die Gezeichneten (UA 1918) und Der Schatzgräber (UA 1920.
    Die zentrale Zielsetzungen der Dissertation sind die Entschlüsselung des Klangs bei Schreker mit Hilfe einer werksübergreifenden analytischen Studie sowie die Erweiterung und Differenzierung des Begriffes Klang im Rahmen der Klangforschung.
    Es werden insbesondere zwei Ausprägungen des Klangs bei Schreker untersucht: zum einen die Verwendung von Klang zur Darstellung und Schilderung der inneren Seelenvorgänge der Protagonisten und zum anderen die „Klangregie“, bei der der Klang die Funktion der akustischen Ausgestaltung des äußeren Handlungsrahmens übernimmt. Klang tritt in seiner Erscheinung selbst als Protagonist, der entscheidend durch seine sinnliche Präsenz die Entwicklung der Handlung vorantreibt, auf. Er fungiert an dramatisch exponierten Schnittstellen der Opern Schrekers als wirkungsvolle „Macht“, der sich die Protagonisten nicht entziehen können.  
    Klang stellt ein bedeutsames Phänomen in der Sphäre der Wiener Moderne dar. Es lassen sich ebenso direkte Bezugspunkte zum Jugendstil und den Gemälden Gustav Klimts herstellen, wie zur Psychoanalyse Siegmund Freuds bzw. zu den Stücken Arthur Schnitzlers. Die Erforschung des Schreker’schen Klangs wird somit auch zu einer weiteren Schärfung des Bildes der Kulturlandschaft der Habsburgermonarchie vor dem Ersten Weltkrieg beitragen.


 

 

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