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Die Musikbibliothek von Kurfürst Maximilian Franz: Identifizierung der erhaltenen geistlichen Musikquellen samt einer Rekonstruktion ihrer Verwendung, 1784-1794

FWF Projekt P28895
Projektlaufzeit: 2016–2018

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Birgit Lodes
MitarbeiterInnen: Mag. Dr. John Wilson, Dr. Elisabeth Reisinger, BA

Kooperation: Beethoven-Haus Bonn 

Project Description in English

Maximilian Franz (1756–1801), jüngster Sohn Maria Theresias und ab 1784 letzter Kurfürst von Köln, genoss den Ruf eines anspruchsvollen Musikmäzens mit einer umfangreichen Musikaliensammlung, die er sowohl für Aufführungen am Hof als auch für den Gebrauch und das Studium durch seine Hofmusiker zugänglich machte. In der Musikgeschichte kennt man Maximilian Franz vor allem als ersten Arbeitgeber und Förderer von Ludwig van Beethoven: Seine Regierungszeit umfasst eine Periode pulsierenden Musiklebens am Bonner Hof, was wiederum zusammenfällt mit Beethovens prägenden Dienstjahren als stellvertretender Organist in der Hofkapelle. Kurz vor der Besetzung Bonns durch französische Truppen wurde die Musikbibliothek des Kurfürsten mit mehr als 3.500 Werken im Jahr 1794 in Sicherheit gebracht. Einige Zeit nach dem Tod von Maximilian Franz wurden die verbliebenen Reste der Sammlung aufgrund von dynastischen Beziehungen nach Modena überstellt, wo sie noch heute in der Biblioteca Estense Universitaria aufbewahrt werden. Die Provenienz dieser Quellen war bis vor kurzem niemals systematisch geprüft oder untersucht worden.

Das vorliegende Forschungsprojekt baut organisch auf den Ergebnissen eines Vorgänger-Projekts zum Thema „Die Opernbibliothek von Kurfürst Maximilian Franz“ (http://www.univie.ac.at/operaticlibrary/) auf. Es hat zum Ziel, in Modena jene kirchenmusikalischen Quellen ausfindig zu machen, die ursprünglich in Bonn verwendet wurden. Auch möchte das Projekt diese Quellen im Verbund mit anderen kirchenmusikalischen Dokumenten vom Hof (bzw. aus dem nahen Umfeld) analysieren, um zu einem neuen und tieferen Verständnis der Rolle von Musik in höfischen religiösen Praktiken zu kommen. Die erste Phase des Projekts umfasst eine systematische Identifizierung der musikalischen Quellen, ihrer Papiere und Kopisten; die Ergebnisse werden in einer online-Datenbank zugänglich gemacht. Ein zweiter Untersuchungsstrang stellt Fragen nach möglichen Bearbeitungspraktiken für den Bonner Hof und möchte die Kirchenmusik innerhalb der liturgischen und paraliturgischen Praktiken des Hofes verorten. Dies geschieht insbesondere im Blick auf die liturgischen Reformen Kaisers Joseph II. und deren strenger Beschränkung der Aufführung von Orchestermessen, aber auch im Blick auf kleinere liturgische Gattungen und ihrer potentiellen Prägung durch lokale Traditionen sowie schließlich mögliche Transferbeziehungen zu anderen geistlichen Höfen, etwa Mainz und Trier. Auch gilt es zu fragen: Auf welche Weise wurden die Hofmusiker durch die religiösen Haltungen, unter denen sie erzogen und sozialisiert wurden, geprägt? Beethovens lebenslange Faszination von Kirchenmusik ist schon lange bekannt. Zu welchem Grad aber wurden die Wurzeln dafür durch die frühen Erfahrungen in der Bonner Hofkapelle gelegt? Welche Lektionen haben er und seine „peers“ (unter ihnen Anton Reicha, Bernhard und Andreas Romberg oder Ferdinand Ries) von der Musik, die sie tagtäglich spielten, gelernt?

Institut für Musikwissenschaft
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