Logo der Universität Wien

Die Opernbibliothek von Kurfürst Maximilian Franz (1780–1794)

FWF Projekt P25274
Projektlaufzeit: 01/2013–12/2016

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Birgit Lodes
MitarbeiterInnen: Mag. Dr. John Wilson, Dr. Elisabeth Reisinger, BA

In Zusammenarbeit mit: PD Dr. Juliane Riepe (Halle); Beethoven-Haus Bonn 

Project Description in English

Projekthomepage

Maximilian Franz (1756–1801), jüngster Sohn Maria Theresias und ab 1784 letzter Kurfürst von Köln, genoss den Ruf eines anspruchsvollen Musikmäzens mit einer umfangreichen Musikaliensammlung, die er sowohl für Aufführungen am Hof als auch für den Gebrauch und das Studium durch seine Hofmusiker zugänglich machte. In der Musikgeschichte kennt man Maximilian Franz vor allem als ersten Arbeitgeber und Förderer von Ludwig van Beethoven: Seine Regierungszeit umfasste eine Periode pulsierenden Musiklebens am Bonner Hof, was wiederum zusammenfällt mit Beethovens prägenden Dienstjahren als Mitglied der Hofmusikkapelle. Kurz vor der Besetzung Bonns durch französische Truppen wurde die Musikbibliothek des Kurfürsten mit mehr als 3.500 Werken im Jahr 1794 in Sicherheit gebracht. Einige Zeit nach dem Tod von Maximilian Franz wurden die verbliebenen Reste der Sammlung aufgrund von dynastischen Beziehungen nach Modena überstellt, wo sie noch heute in der Biblioteca Estense Universitaria aufbewahrt werden. Die Provenienz dieser Quellen war bis vor kurzem niemals systematisch geprüft oder untersucht worden.

Die zentrale Aufgabe des Projekts war es, zunächst die erhaltenen Partituren und Stimmen der musikdramatischen Bestände der kurfürstlichen Sammlung aufgrund kodikologischer Merkmale zu identifizieren und zu analysieren. Dadurch konnten nicht nur große Teile der Bibliothek rekonstruiert und zahlreiche Handschriften Bonner Provenienz zugeordnet werden, sondern ebenso Erkenntnisse über Bearbeitungs- und Aufführungspraxis von Oper in Bonn gewonnen werden. Zudem standen weiterführende Fragen im Fokus, etwa: Wie entstand die Notensammlung, zunächst in Wien und später in Bonn? Welche Personen (wie der Hornist und Verleger Nikolaus Simrock), Netzwerke und Transferprozesse spielten dabei eine Rolle? Was lässt sich über die Bedeutung des Kurfürsten im Wiener und Bonner Musikleben sagen? Welchen Einfluss hatte er auf das Bonner Hoftheater? Wie entwickelte sich dieses als Institution? Welchen Platz nimmt es im Kontext der Hofopernpraxis im deutschsprachigen Raum während des späten 18. Jahrhunderts ein?

Ergänzt wurde die Forschung an den Musikalien selbst durch die Aufarbeitung von umfangreichem Quellenmaterial einerseits in verschiedenen Archiven im Rheinland (wie dem Landesarchiv NRW), wo sich vor allem Dokumente zu Organisation und Verwaltung des Hofes und des Hoftheaters sowie zu den Mitgliedern von Theater und Hofmusikkapelle befinden, sowie andererseits im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, in dem der umfangreiche Nachlass von Maximilian Franz erhalten ist. Dadurch konnte ein abgerundetes Gesamtbild des Opernlebens in Bonn im späten 18. Jahrhundert erbarbeitet werden.

Einen Überblick über die Ergebnisse des Projekts gibt die Website (http://www.univie.ac.at/operaticlibrary). Online ist eine Quellen-/ Aufführungsdatenbank recherchierbar (http://www.univie.ac.at/operaticlibrary/db). Zudem werden zwei gedruckte Bände in der Serie Schriften zur Beethoven-Forschung (Beethoven-Haus Bonn) erscheinen: The Operatic Library of Elector Maximilian Franz. Catalogue of the Manuscript Sources wird einen ausführlichen Quellenkatalog, ausgewählte Quellenstudien und weiterführende Beiträge zu deren Kontextualisierung umfassen. Beethoven and the Last Generation of Court Musicians in Germany versammelt die Beiträge einer internationalen Tagung, die in Verbindung mit dem Beethoven-Haus im Dezember 2015 veranstaltet wurde. Zudem entstand im Rahmen des Projekts die Dissertation von Elisabeth Reisinger (Erzherzog Maximilian Franz als musikkultureller Akteur in Wien und Bonn. Soziale Verflechtungen und Handlungsräume am Hof des späten 18. Jahrhunderts, Wien 2016). In einem Folgeprojekt wird sich das Projekt-Team mit den kirchenmusikalischen Beständen der kurfürstlichen Sammlung befassen.     

Institut für Musikwissenschaft
Universität Wien
Universitätscampus AAKH
Spitalgasse 2-4, Hof 9
1090 Wien
Universität Wien | Universitätsring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0