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Aufführung oder Notentext? Opern im Kontext der deutschen Musikpublizistik des 18. Jahrhunderts

FWF Firnberg Projekt T 788-G26
Projektlaufzeit: 2015 - 2018

Leitung: Dr. Andrea Horz, M.A.
Co-Antragsteller: Univ.-Prof. Dr. Michele Calella

 

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Projektbeschreibung

Die Diskussionen der letzten Jahre in der Opernforschung kreisten um die Etablierung eines methodischen Ansatzes, der das Erleben der Aufführung - die Performance - in den Mittelpunkt stellt. Doch wie kam es überhaupt zu der Verschiebung, die Oper nicht allein nach ihrer Bühnenpräsenz zu beurteilen, sondern auch anhand des Notentextes? Um die historischen Zusammenhänge dieser, von manchem Musikhistoriker nahezu dichotomisch beschriebenen Konstellation zu durchdringen, ist der Blick in das 18. Jahrhundert zu richten. Zu dieser Zeit formierte sich ein Diskurs, der jenseits der Wirkung einer Opernaufführung an einer Auseinandersetzung mit dem Notentext interessiert ist. Das Ziel des Forschungsvorhabens besteht darin, die Diskursverschiebungen im musikpublizistischen Schrifttum über die Oper im deutschen Sprachraum des 18. Jahrhunderts zu erfassen, die mit der Nutzung von Klavierauszug und Partitur einhergingen.

Um diese Forschungslücke zu schließen, sind die einschlägigen Artikel über Opern in den Zeitschriften des deutschen Sprachraums in den Blick zu nehmen: Welche Stellung nimmt die Musik darin ein? Bezieht sich der Rezensent auf einen Notentext? Die weitere Untersuchung konzentriert sich auf folgende Themenkreise: Verschiebungen der Tendenzen, Linien und Motive des Operndiskurses durch die Nutzung von Klavierauszug und Partitur, Ausbildung einer musikanalytisch, am Notentext orientierten Rezensionskultur, der Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Notenausgaben und der Kanonisierung bestimmter Opernkomponisten sowie der Umgang mit dem älteren Repertoire. Auf Grundlage dieser Studien wird es nicht nur möglich sein, Einzeluntersuchungen zur Rezeption bestimmter Komponisten im größeren Diskurszusammenhang zeitgenössischer musikalischer Debatten zu verorten. Vielmehr kann daran anschließend der historische Horizont der derzeit in der Opernforschung geführten methodischen Grundsatzdiskussionen reflektiert werden.

 

 

Performance or Score - Opera Reviewed in German Journalism in the 18th Century

Discussions in recent years within operatic studies have revolved around the establishment of a methodological approach that puts the experience of the performance itself in the center. How did this shift in thought occur that judges the opera not solely by its stage presence but rather only by the musical score? In order to better understand the historical relationships of this constellation, which is described by some musical historians as almost dichotomous, one must look to the 18th century. At this time a discourse began to form that was less interested in the effect of an opera performance but on examining the score. The goal of this project is to identify these shifts in discourse within musical journalism literature about the opera within the German-speaking region in the 18th century that accompanies the use of piano reduction and the score.

In order to close these gaps in academic knowledge, the respective articles about the opera in periodicals published within the German-speaking region need to be examined. What significance does music have in these articles? Does the critic base their statements on the musical text itself? Further examination also focuses on the following topics: shifts in the tendencies, trends and subjects of the operatic discourse via the use of piano reduction and scores, training of a musical-analytic critique-culture that focuses on the musical text, the relationship between the availability of printed scores and the canonization of certain opera composers, as well as the interaction with the older repertoire. Based on these studies it will also be possible to complete individual studies regarding the perception of certain composers within the larger discourse of contemporary musical debates. Moreover, these studies will allow reflecting on the historical horizon of the fundamental methodical discussions currently being held.

 

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