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Solistische Instrumentalmusik des 16. Jahrhunderts im süddeutschen Kulturraum


FWF Lise-Meitner-Programm M 2062
Projektlaufzeit: 2016–2018

Leiterin: Dr. Kateryna Schöning
(in Verbindung mit Univ.-Prof. Dr. Birgit Lodes)

 

Das Hauptziel des Projektes ist eine interdisziplinäre Erforschung der frühesten „reinen“ Instrumentalmusik für Tasteninstrumenten und Lauten solo im heutigen österreichischen, schweizerischen und süddeutschen Raum (Wien, Basel, München, Augsburg, Regensburg und Nürnberg). Das Projekt sollte die Fragen beantworten, welche musikalische Determinanten den schriftlich fixierten Instrumentalstücken aus dem 16. Jhs. zugrunde lagen und inwiefern es legitim wäre, in den Stücken über das freie Musizieren zu reden? Um überliefert werden zu können, sollte ein Musikstück irgendeinen wiederholbaren Komplex von Eigenschaften haben. Die schriftliche Tradition für diese Stücke gab es jedoch damals noch nicht. Es ist anzunehmen, dass a) in der Instrumentalmusik neue Denkmodelle entstanden und b) die instrumentalen Kunstwerke an das gesamte Denksystem der Zeit vor 1600 angebunden waren, d.h. dass sie unter anderem rhetorische Prinzipien wiedergaben.

Das Ziel des Projektes ist, neue Methoden, die auf eine interdisziplinäre Musikforschung stützten, auszuarbeiten. Dafür wird der kulturhistorische Kontext (Humanistische Literatur, u.a. die Quellen zur Rhetorik) untersucht; es wird recherchiert, ob die intertextuellen methodischen Ansätze zu den „freien“ notierten Instrumentalstücken des 16. Jhs. anwendbar sind. Relevant für die Untersuchung ist ebenfalls eine kontextuelle Analyse von den text-musikalischen Formen des Musizierens im 15. und 16. Jh., z.B. Frotollen, Duos, Villanellen, Humanistischen Oden und Sonetten.

Das Projekt hat drei Teile: Die Erstellung einer Materialbasis: einer relationalen Datenbank der solistischen genuin instrumentalen Musik des 16. Jhs. aus den für das Projekt relevanten Gebieten (I). Die Erforschung von musikalischen Determinanten in den ersten notierten „freien“ Instrumentalkompositionen, ihrer Entwicklung und Funktionen (II). Die Analyse dieser Musik aus der Sicht der rhetorisch-poetischen Grundlagen der Renaissance und in Bezug auf die Quellen der relevanten Humanistenkreise; die Suche nach möglichen narrativen Vorlagen oder Parallelen (III).

Die Ergebnisse sollten die Musikgeschichte Wiens und Umgebung ergänzen. Die Auswirkung des humanistischen Kulturkreises um Habsburger Residenzen und Universitäten auf die solistische Instrumentalmusik im südlichen deutschsprachigen Raum des 16. Jhs. sollte zum ersten Mal erforscht werden. Es werden neue Methoden der Analyse der Instrumentalmusik vor 1600 ausgearbeitet. Es wird geklärt: wie funktioniert das musikalische Denken in der frühesten genuin instrumentalen Musik? Wie bildete sich das musikalische Kunstwerk in der Instrumentalmusik der Renaissance heraus? Handelte es sich um irgendwelche Stereotypen oder waren die „freien“ Instrumentalstücke tatsächlich frei? Welche Rolle hatte die Schriftlichkeit dabei und wie stark waren die „freien“ Stücke noch an die extemporierte Praxis angebunden? Es wird geklärt, ob musikalische Logik in der Instrumentalmusik von den anderen Künsten (Rhetorik) beeinflusst war. Zum ersten Mal werden die „freien“ solistischen Instrumentalstücke in einem historischen und analytischen Komplex analysiert. Zum ersten mal werden sie interdisziplinär überlegt. Durch die geplante Datenbank werden die Ergebnisse des Projektes für die Wissenschaft und Praxis schnell zugänglich gemacht.

Institut für Musikwissenschaft
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