Montag, 15. Juni 2026 – 16:00 Uhr – hybrid über Zoom und im Seminarraum 1 am Institut für Musikwissenschaft
Interessierte sind herzlich eingeladen!
Abstract
Der Lobpreis Marias war ein integraler Bestandteil der (spät-)mittelalterlichen Frömmigkeit. Im Umfeld vieler mittelalterlicher Herrscher zeigt sich die Marienfrömmigkeit als wiederkehrendes Phänomen, das in unterschiedlichen Medien in Verbindungen mit ihren Höfen sichtbar wird – so auch bei Maximilian I. (1459–1519). Sie ist auf politischer, religiöser, textlicher, bildlicher und musikalischer Ebene präsent, sowohl in Verbindung mit als auch unabhängig von der Liturgie.
Diese Arbeit untersucht die Marienfrömmigkeit Maximilians mit besonderem Fokus auf ihre politischen, kulturellen und musikalischen Funktionen im burgundischen Umfeld und beleuchtet die strategische Nutzung der Figur Mariens als Herrschaftsinstrument, insbesondere durch musikalische Werke. Ein zentraler Aspekt ist die Verbindung zwischen Maximilian und seiner ersten Frau, Maria von Burgund, deren gezielte Inszenierung als Jungfrau Maria sowohl ihre eigene Herrschaft legitimierte als auch Maximilian nach ihrem frühen Tod eine politische Grundlage in Burgund verschaffte. Maria von Burgund nutzte die Jungfrau Maria aktiv als Herrschaftsinstrument und schuf eine Assoziation zwischen Heiliger und Herzogin, die über verschiedenartige Medien kommuniziert wurde. Dieses marianische Propagandamittel übernahm Maximilian und setzte es gezielt ein, um seine Herrschaftsansprüche im Herzogtum Burgund zu sichern. Anhand von fünf Fallbeispielen werden verschiedene Rollen und Funktionen Mariens analysiert. Die Untersuchung zeigt, wie die Jungfrau Maria in musikalischen Werken, liturgischen Praktiken und visuellen Darstellungen als politische Figur und Bindeglied zwischen den Dynastien Valois-Burgund und Habsburg manifestiert wurde. Durch interdisziplinäre Ansätze wird verdeutlicht, dass die marianische Frömmigkeitspraxis Maximilians in Burgund nicht nur eine spirituelle Bedeutung hatte, sondern auch ein vielschichtiges politisches und propagandistisches Instrument war, sowie gezielt in der musikalischen Repräsentation zur Machtsicherung und politischen Stabilisierung eingesetzt wurde.
