Donnerstag, 11. Juni 2026 – 16:00 Uhr – Central European University, Auditorium (Quellenstraße 51, 1100 Wien)
Interessierte sind herzlich eingeladen!
Abstract
Unser Erleben von Zeit ist bemerkenswert variabel – abhängig von individuellen Unterschieden, Kontext, Emotionen und Aufmerksamkeit. Psychologische Studien untersuchten Faktoren zur Wahrnehmung, Verzerrung oder zum Verlust des Zeitgefühls. Musik bietet dabei einige Möglichkeiten zur Erforschung dieser Fragen, da sie mehrere faszinierende Paradoxien des Zeiterlebens berührt: Musik entfaltet sich kontinuierlich in messbarer Zeit, wird aber dennoch oft als zeitlose, fast architektonische Kunstform beschrieben. Musiker zeigen im Ensemblespiel außergewöhnliche zeitliche Präzision, während sie gleichzeitig in Flow-Zuständen ihr Zeit- und Raumgefühl verlieren können. Schließlich wurde Groove als angenehmer Bewegungsdrang eingehend untersucht, jedoch weniger hinsichtlich der Frage, wie Interpreten selbst Groove durch Timing und rhythmische Nuancen gestalten. Dieser Vortrag beleuchtet, wie musikalische Zeitwahrnehmung von struktureller Komplexität, emotionaler Erregung und spontanen Tempopräferenzen beeinflusst wird. Weiterhin wird die Perspektive der Musizierenden auf das Üben in verschiedenen Tempi und den Einsatz expressiver Abweichungen vom genauen Timing thematisiert. Durch die Verknüpfung psychologischer Forschung mit der Realität des Musizierens und Musikhörens zielt der Vortrag darauf ab, unser Verständnis vom Erleben und Gestalten musikalischer Zeit zu vertiefen.
