Mag. Andrea van der Smissen

Doktorandin
Die Vereinigung Moderner Ungarischer Musiker. Musikalische Progression im Umfeld der Voravantgarde in der Zwischenkriegszeit in Ungarn (Betreuer: Michele Calella)

andrea@van-der-smissen.com

Curriculum Vitae

Dissertationsprojekt seit 2010 bis voraussichtlich 2018

Dies doctoralis am 04.10.2012

1995–2017 Musikwissenschaftliches Studium Universität Wien, Institut für Musikwissenschaft

1989–1994 Gesangstudium an der Ferenc-Liszt-Musikakademie in Budapest

Teilnahme an Fachtagungen

11.10.2014: Jahrestage. Konferenz des MTA-BTK-ZTIs [Musikwissenschaftliches Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften], „Ferenc Szabó's compositions in the proximity of the Hungarian historical avant-garde and the MoMaMu in the twenties“. Onlineveröffentlichung: http://zti.hu/files/mza/docs/Evfordulok_nyomaban_2014/VanderSmissen_SzaboFerenc.pdf.

28.02.2017: Ungarische Autoren und Publizisten auf deutschem Sprachgebiet. Konferenz am Lehrstuhl für Germanistik der KPPU [Katholische Peter Pázmány Universität]. Veröffentlichung: „György Kósa als Verlagskomponist der Universal Edition in den Jahren 1925–32“, in: Zsuzsa Bognar (Hrsg.): Verschränkte Kulturen. Polnisch-deutsche und ungarisch-deutsche Literatur und Kunstbeziehungen, Berlin: Frank & Timme 2018, S. 185–201 (erscheint in Kürze).

27.10.2017: Bewegung-Kunst-Musik-Pädagogik. Konferenz der Orkestrik-Stiftung und der ELTE PPK Pädagogischen Forschungsgemeinschaft. Veröffentlichung in Vorbereitung.

05.–07.09.2018: Realismen der Avantgarde. 6. Internationale Konferenz der EAM [Europian Network for Avantgarde and Modernism Studies], Universität Münster, „Die Simultanfonie von István Szelényi“.

28.02.2017: Ungarische Autoren und Publizisten auf deutschem Sprachgebiet. Konferenz am Lehrstuhl für Germanistik der KPPU [Katholische Peter Pázmány Universität]. Veröffentlichung: „György Kósa als Verlagskomponist der Universal Edition in den Jahren 1925–32“, in: Tamás Harmat/Zsuzsa Soproni (Hrsg.): Verschränkte Kulturen. Polnisch-deutsche und ungarisch-deutsche Literatur und Kulturtransfer, Berlin: Frank & Timme 2018, S. 185–201.

27.10.2017: Bewegung-Kunst-Musik-Pädagogik. Konferenz der Orkestrik-Stiftung und der ELTE PPK Pädagogischen Forschungsgemeinschaft. „Valéria Dienes’ Musik-Konzept und György Kósas Sechs Orchesterstücke“, Veröffentlichung in Vorbereitung.

05.–07.09.2018: Realismen der Avantgarde. 6. Internationale Konferenz der EAM [Europian Network for Avantgarde and Modernism Studies], Universität Münster, „Die Simultanfonie von István Szelényi“.

28.–29.05.2019: Die Problematik der Quellenforschung der Musik des 20. Jahrhunderts. Konferenz des MTA-BTK-ZTIs [Musikwissenschaftliches Institut der Ungarischen Akademie der Wissenschaften], „Pál Kadosas Klaviersonate (op.7) und ihre Einordenbarkeit in der Narrative der Ungarischen Musikhistoriographie“. Onlineveröffentlichung in Vorbereitung.

07.–09.06.2019: Sounds of Mass Media: Music in Journalism and Propaganda. The eleventh meeting of the International Society (IMS) Study Group Music and Media in Växjö, Sweden, „Historiographical Overwiew about the Political and Ideological Indoctrination of Hungarian Musicology in the 1950s“.

12.–13.06.2019: Ungarische Autoren und Publizisten auf deutschem Sprachgebiet. II. Konferenz am Lehrstuhl für Germanistik der KPPU [Katholische Peter Pázmány Universität]. Veröffentlichung in Vorbereitung.

23.–26.09.2019: Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung 2019, Universität Paderborn, Hochschule für Musik Detmold, „Musikalische Progression im Vorfeld der Avantgarde in Ungarn in den Zwanziger- und Dreißigerjahren“.

Publikationen

The Connection between Henry Cowell’s New Music Society and Hungarian Composers of the Young Generation in the Twenties, Hungarian Academy of Sciences, Archives for 20th-21st Century Hungarian Music, 2019 DOI: 10.23714/mza.10010_MZA

Abstract des Dissertationsprojekts

Das Dissertationsthema konzentriert sich auf eine kurze Episode der ungarischen Musikgeschichte. Im Zentrum der Betrachtung steht die Tätigkeit von vier jungen Komponisten der sogenannten Modern Magyar Muzsikusok-Gruppierung (kurz: MoMaMu) aus der Komponistengeneration nach Béla Bartók und Zoltán Kodály während der Zwischenkriegszeit: Pál Kadosa, György Kósa, István Szelényi und Ferenc Szabó. Die Anfänge ihres musikalischen Schaffens liegen in den 1920er Jahren, geprägt von einer ausgesprochen progressiven künstlerischen Umgebung. Inmitten der Avantgarde realisierten die Komponisten der MoMaMu ihre ersten musikalischen Projekte. Aufgrund der ästhetischen Ausrichtung der Gruppierung mit ihrem international orientierten Begriff von Neuer Musik fand die Tätigkeit der Komponisten der MoMaMu wenig Beachtung durch die nationale ungarische Musikgeschichtsschreibung. Ebenso ist die Rezeption ihrer Kompositionen stark von der Verfemung durch die marxistische Musikwissenschaft geprägt. Die bisher nicht aufgearbeiteten Nachlässe von Pál Kadosa, György Kósa, István Szelényi und Ferenc Szabó sowie die Beschäftigung mit ihren Kompositionen ermöglichen neue Perspektiven auf eine musikhistorische Phase in Ungarn, die womöglich bereits die Schatten der späteren Kompositionsgeschichte im Ungarn des 20. Jahrhunderts vorauswirft.

Die Recherche-Phase zeigte, dass es sich aufwendig gestaltet, Bezüge zwischen Wissensgebieten wie ungarischer Geschichte, Kulturwissenschaft und Geistesgeschichte und den zu erforschenden musikalischen Entwicklungen herzustellen. Die Zwischenkriegszeit betreffend gibt es in den genannten Bereichen ebenso einen Forschungsbedarf. Diese Bezüge sind von Bedeutung für die Arbeit, um zeigen zu können, welche geistesgeschichtliche und künstlerische Inspiration die jüngere Komponistengeneration veranlasste, ihre Werke einer neuen Musikästhetik zu widmen. So werden zeitgenössische Kunstkonzepte wie der Aktionismus bzw. Konstruktivismus von Lajos Kassák, die dadaistische Kunst von Ödön Palasovszki, aber auch Georg Lukács frühe Kunstästhetik (die sich in den Schriften des Sonntag-Kreises noch Jahrzehnte später niederschlug) bzw. Valéria Dienes’ Kunstkonzept thematisiert. Durch deren Reflexion und die musikalischen Schriften der MoMaMu lassen sich die wesentlichen Merkmale der künstlerischen Ausrichtung der Komponisten rekonstruieren.

Zahlreiche Dokumente wie Zeitungartikel, Briefe, Konzertprogramme weisen auf die Verbindung zu progressiven künstlerischen Kreisen und Musikern innerhalb und außerhalb von Europa hin. So wird unter anderem die Verbindung zum Berliner Sturm und zur Musik von George Antheil berücksichtigt. Es lässt sich dabei eine besonders enge und bis jetzt unbeachtete Verbindung nach Kalifornien zu Henry Cowell und seiner New Music Society nachweisen. Nicht weniger wichtig waren die Kreise der Neuen Musik der IGNM, zu der die Komponisten der MoMaMu früh Kontakt durch Emil Hertzka suchten.

Im Rahmen des Forschungsprojektes werden besondere kompositorische Bestrebungen der Komponisten der MoMaMu herausgearbeitet, beispielsweise Georg Kósas Versuche, psychologisierende, tänzerische Gesten durch Inhaltstransformation aus dem Tanz in die Musik zu integrieren, István Szelényis erste aleatorische Komposition, die Symultanphonie, oder auch Ferenc Szabós konstruktivistische Kompositionen.