Dienstag, 9. September 2025, 16:00–17:00 Uhr – Seminarraum 1, Institut für Musikwissenschaft
und online über Zoom:
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Die Forschung zur italienischen Barockoper hat sich in puncto Gesangspersonal seit jeher verstärkt mit hohen Stimmen – also Sänger:innen der Sopran- und Altlage – befasst, die in der italienischen Oper dieser Epoche unabhängig vom Geschlecht des Sängers/der Sängerin inflationär vorhanden waren. Das Forschungsprojekt legt seinen Fokus auf die bisher vernachlässigte Kategorie der Tenor- und Bassstimmen und untersucht deren Stimm- und Rollenprofile. Sie begreift diese Sänger als ,tiefe Männerstimmen‘ und somit als klanglichen Gegenpol zu Kastraten und weiblichen Sängerinnen.
Geographischer Fokus ist die Wiener Hofkapelle in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wo vor allem 1711–1740, im Zuge großer Investitionen in die Kultur seitens des Herrscherhauses, hochqualifiziertes Gesangspersonal aus Italien engagiert und als Hofpersonal meist auf Lebenszeit angestellt wurde. Die Oper und andere weltliche und geistliche musiktheatralische Gattungen übernahmen dort repräsentative Funktion und waren eng an die höfischen Abläufe gekoppelt. Dieses Produktionssystem sah vor, dass das Sänger:innen-Ensemble über Jahre stabil blieb, nicht den Fluktuationen von kommerziell orientierten Systemen unterlag und sich dadurch innerhalb des Ensembles dramaturgische Spezialisierungen ergaben. Im Rahmen von ausgewählten Fallbeispielen wird dargestellt, ob und inwieweit sich Tenöre und Bässe auf bestimmte Rollen festlegten. In weiterer Folge werden diese Profile punktuell mit Beispielen aus anderen europäischen Opernzentren verglichen, um festzustellen, welche Rollen (historische, mythologische, aber auch allegorische Figuren) wiederkehrend mit tiefen Männerstimmen besetzt wurden. Außerdem werden ausgewählte Sänger aus sozialgeschichtlicher Perspektive untersucht: Die finanziell meist schlechter vergüteten Tenöre und Bässe zeichneten sich in Wien durch vielfältige Tätigkeiten abseits der Bühne aus, die in den meisten Fällen die Verbindung zu einflussreichen lokalen und internationalen Personen stärken sollten. Im Rahmen der Arbeit wird untersucht, inwieweit diese Sänger dadurch – vor allem aber durch Kontakte ins Ausland – versuchten, Prestige zu gewinnen und ihre Karrieren abzusichern.
Herzliche Einladung!
