Jeanette Kilicci erhält Schaumayer-Preis

19.03.2026

Wir gratulieren herzlich zum Dr. Maria Schaumayer-Preis für Ihre Masterarbeit!

Jeanette Kilicci wurde am 19.3.2026 für ihre Masterarbeit mit einem Preis der Dr. Maria Schaumayer Stiftung ausgezeichnet. Wir gratulieren ihr sehr herzlich! Die Dr. Maria Schaumayer Stiftung fördert wissenschaftliche Forschung und zeichnet außergewöhnliche Abschlussarbeiten von Frauen in Österreich aus.

In ihrer Masterarbeit hat sich Frau Kilicci mit dem Thema "Selected Folk Songs in the Centre of Conflict Focus on the Armenian Minority in Turkey" (betreut von Christoph Reuter) auseinandergeset

Abstract

Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss von ausgewählten Volksliedern auf die kulturelle Identität, Erzählungen und emotionalen Erfahrungen der armenischen Minderheit in der Türkei. Des Weiteren erfolgt eine Analyse der Faktoren, welche zu den anhaltenden Kontroversen um diese Lieder und ihre sich im Laufe der Zeit wandelnden Interpretationen führen. Um diesem komplexen und vielschichtigen Thema umfassend und nuanciert gerecht zu werden, wurde eine Vielzahl von Forschungsmethoden eingesetzt, um ein tieferes und vielseitigeres Verständnis zu erlangen.

Die ausgewählten Lieder wurden sowohl in armenischer als auch in türkischer Sprache im Tonstudio des MediaLab der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät von Personen mit armenischem und türkischem Hintergrund aufgenommen. Im Rahmen der empirischen Erhebung wurde ein mehrsprachiger Fragebogen entwickelt, welcher den Probanden in einer zufälligen Reihenfolge vorgelegt wurde. Die Vorgehensweise zielte darauf ab, die Meinung der Probanden zu den Liedern zu ermitteln und festzustellen, inwiefern sie ihnen gefallen oder nicht gefallen. Des Weiteren wurde eruiert, ob die Vertrautheit mit den Liedern einen Einfluss auf die Bewertung sowie die emotionalen Reaktionen der Pro-banden ausübte. Im Rahmen der Untersuchung wurden eine Reihe von Interviews mit Personen armenischer Abstammung, Musikexperten und Nicht-Musikexperten aus der Türkei durchgeführt, die sich derzeit in der Diaspora aufhalten. Im Rahmen der Studie wurden moderne Instrumente eingesetzt, um physiologisch messbare Reaktionen beim Anhören der Lieder aufzuzeichnen. Die Analyse von Online-Kommentaren, die als Reaktion auf ausgewählte YouTube-Videos der ausgewählten Songs gepostet wurden, diente der Gewinnung eines Einblicks in den Online-Diskurs rund um diese kontroversen Songs.

Die Resultate der Befragungen legen nahe, dass das kollektive Gedächtnis eine wesentliche Rolle im Kontext dieser Lieder spielt. Sie geben Aufschluss über die Erfahrungen und die Identität der armenischen Minderheit. Die Online-Diskussionen über diese Lieder demonstrieren, dass die Aussagen der armenischen Minderheit über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und die Angst vor Verfolgung durchaus begründet sind. Dies wird durch die signifikante Anzahl negativer Online-Kommentare bestätigt. Die Reaktionen der Versuchsteilnehmer auf die Lieder waren von emotionalen Reaktionen geprägt, was dazu führte, dass die tiefgreifende emotionale Wirkung dieser vertrauten Melodien unterschätzt wurde. Diese These findet Bestätigung in den Resultaten der Umfrage welche ebenfalls aufzeigen, dass sowohl armenische als auch türkische Teilnehmer beim Hören der Volkslieder Gefühle der Traurigkeit empfanden. Im Rahmen des Experiments zur Messung der physiologischen Reaktionen konnte festgestellt werden, dass die emotionalen Reaktionen der armenischen und türkischen Zuhörer vor allem durch Gefühle der Traurigkeit gekennzeichnet waren. Die Analyse der Hautleitwertkurven ergab konsistente Muster über die untersuchten Gruppen hinweg.

Die Ergebnisse der Studie lassen darauf schließen, dass der kulturelle Hintergrund und gemeinsame Erfahrungen einen Einfluss auf die emotionalen Reaktionen auf Musik haben können. In ihrer Gesamtheit erlauben sie ein umfassenderes Verständnis der komplexen Beziehung zwischen Musik, Emotionen und kulturellem Gedächtnis.